Was ist eine Guachinche?

Käse, Ziegenkäse, gebraten, Mojo

Wer in seinem Urlaub auf Teneriffa gerne die landestypische Küche kennen lernen möchte, dabei aber auch echt gut und günstig Essen gehen will, der sollte raus aus den Städten. Der Grund sind die Guachinches, die offiziell nicht Mal als gastronomischer, sondern als landwirtschaftlicher Betrieb gelten. Sie erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit und sind immer ein sehr guter Grund, das Teneriffa all-inclusive Angebot des Hotels links liegen zu lassen. Aber was genau ist denn nun eine Guachinche?

Die Geschichte der Guachinches

Der Ursprung dieser Art von Wirtschaften liegt schon eine ganze Weile zurück und begann zu einer Zeit, als englische Händler nicht nur einen Teil, sondern die komplette Ernte eines Winzers aufkauften, um diese dann gewinnbringend wieder zu veräußern. Um die Verkaufsverhandlungen zu führen, wurden die Händler in den Weinkeller eingeladen, wo es dann eben nicht nur Wein zur Verköstigung gab, sondern auch Essen angeboten wurde. In einer solche Atmosphäre lässt es sich viel besser verhandeln.

Ende des letzten und am Anfang diesen Jahrhunderts kam es in Spanien dann zu einer Wirtschaftskrise, in dessen Verlauf immer mehr Fläche für den Anbau von Wein genutzt worden ist. Gleichzeitig wollten auch immer mehr Winzer die Zwischenhändler übergehen und den Verkauf direkt tätigen, um aus dem Verkauf mehr Geld zu bekommen. Dabei blieb die Tradition erhalten, dass den Kunden Speisen angeboten wurde. Allerdings wurden diese den Kunden fortan auch berechnet, was wiederum ein zusätzliches Plus in der Kasse bedeutete. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Zutaten der Gerichte meistens aus eigenem Anbau stammten und es auf landwirtschaftliche Erzeugnisse keine Mehrwertsteuer zu entrichten gibt. Bedenkt man nun noch, dass die Grundstücke und Gebäude dem Landwirt gehören und keine Kosten dafür anfallen, wird schnell deutlich, dass die Landwirte den Kunden wiederum günstige Preise anbieten konnten. Und schon waren die Guachinches geboren.

Bis 2013 ging der Verband der Kleinunternehmer davon aus, dass auf Teneriffa etwa 500 Guachinches betrieben worden sind, wobei das allerdings eher eine Schätzung war. Schließlich wurden diese privaten Wirtschaften nicht richtig erfasst, was dann 2013 geändert worden ist. Die Verordnungen zum Betrieb einer Guachinche sind weiter unten im Text zu finden.

Falsche Guachinches

Pimientos de Padron, grüne Pepperoni, Meersalz

Leider ist es gerade in den Tourismuszentren immer wieder zu sehen, dass der Name dieser Betriebe missbraucht wird. Die Betreiber solcher Lokale nutzen schlicht den wachsenden Beliebtheitsgrad der Guachinches aus, um arglose Urlauber zu ködern, sind aber nichts anderes als Restaurants, die auf die Preise eines Restaurants haben. Es ist ziemlich leicht diese zu erkennen.

Zum Einen gibt es Guachinches in erster Linie im Norden der Insel. Das ist schon aus dem Grund logisch, dass sich im Norden nun Mal die Weinberge der Insel befinden, wie zum Beispiel rund um Icod de los Vinos oder oberhalb von Puerto de la Cruz im Orotavatal. Wer sich mitten in den Tourismusgebieten des Südens befindet, wie zum Beispiel in Playa de las Américas, Los Cristianos oder El Médano, findet einfach keine echte Guachinche.

Zum Anderen gibt es in einer echten Guachinche keine breite Getränkekarte. In der Regel werden nur zwei Getränke ausgeschenkt: Wein und Wasser. Es gibt im Norden zwar mittlerweile einige Guachinches, die sich im Laufe der Jahre zu einem Restaurant weiterentwickelt haben, aber diese sind auch entsprechend gekennzeichnet.

Verordnungen für den Betrieb einer Guachinche

Ropa Vieja, Kartoffeln, Fleisch, Paprika, Oliven

Die Betriebsdauer einer Guachinche beträgt nur 4 Monate im Jahr. Ist kein selbst hergestellter Wein mehr vorhanden, endet die Betriebszeit früher.

Als Getränke dürfen nur Wasser und natürlich der Wein aus eigener Herstellung verkauft werden. Dazu dürfen höchstens drei landestypische Gerichte angeboten werden, deren Zutaten entweder selbst angebaut wurden, oder von ortsansässigen Betrieben stammen.

Der Betreiber muss Eigentümer oder Nutzungsberechtigter des Weinberges sein. Das Bedienpersonal muss nachweisen, dass es die Regeln der Hygiene und der Lebensmittelverarbeitung kennt. Die Kellerei muss in das Register der Landwirtschaftsbehörde eingetragen sein.

Das Gebäude, in dem sich die Guachinche befindet, muss Teil des Landwirtschaftsbetriebes sein. Das kann eine Wohnung oder ein Schuppen sein. Die Toilette muss fließend Wasser haben. Da diese Betriebe Teil einer Landwirtschaft sind, dürfen sie auch in Gebieten außerhalb der Städte liegen, in denen sonst keine Wohnhäuser, Bars, Restaurants oder andere Gewerbeunternehmen betrieben werden dürfen.

Die Umsetzung in der Realität

Die oben stehenden Verordnungen werden in der Umsetzung doch ein wenig gedehnt. So ist es nicht unüblich, dass neben Wein und Wasser auch ein Erfrischungsgetränk, meistens Sprite oder SevenUp, zu bekommen ist. Auch ist die Speisekarte oftmals mit mehr als drei Gerichten bestückt, wobei es eigentlich kaum feste Karten gibt. Meistens wird einem vor Ort mitgeteilt, was gerade vorhanden ist. Fisch gehört im übrigen nur ganz selten zur Speisekarte einer Guachinche, da das traditionelle Essen der Weinbauern eher aus Kaninchen, Ziege oder Schwein besteht.

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